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29
April
punk's not dead
die band ist wieder da. vor ein paar jahren verwüsteten kanadische fans eine ganze innenstadt, weil der geplante gig abgesagt werden musste. heute also bremen.
das konzert im bauch eines schiffes fängt zwei stunden später an als geplant. das ist punk. der sänger der vorband hängt bleich über'm waschbecken, eine stellung, die er auch nach mehreren minuten nicht aufgeben will. zurück im saal werde ich spontan des raumes verwiesen: "hier drinnen wird nicht geraucht!". zu viel punk. ich stelle mich auf die treppe zum oberdeck. um das nötige geld für ein bier zusammen zu kriegen, frage ich mehrere konzertbesucher nach dem ein oder anderen euro. vergebens. nicht punk genug. mein mitbewohner lädt mich schließlich auf das nächste haake ein. dann pogen wir ein bisschen mit. zwei jungs in lederjacken schubsen sich schon die ganze zeit alleine vor der bühne rum. nachdem basti den einen sofort unsanft richtung boden schickt, hält er sich eher im hintergrund. wie auch der rest des publikums.

am nächsten morgen schnarcht die band wieder auf unseren sofas, klappliegen und couchtischen. schon vor beginn ihrer europatournee waren sie unsere gäste. als ich aus berlin wieder kam, habe ich kronkorken und kippenstummel von meinem teppich gesammelt. da das alles mal büros waren, liegt überall brandschutzteppich. der richtige punk nutzt das aus. morgens trete ich überraschenderweise trotzdem in gut gefüllte aschenbecher, die, wie tretminen versteckt, zwischen sesseln und tischen drapiert sind. im bad riecht es eigentümlich nach bauernhof. nichts, woran man sich nicht gewöhnen könnte. oder muss. ein unbarmherziger vulkan läßt los angeles in weite ferne rücken. was ja auch, vor nicht allzu langer zeit, den tatsachen entsprach. ich schlage die transsibirische, und von china eine pazifiküberfahrt vor. man möchte aber lieber warten. so sind wir hier an machen tagen zu dreizehnt. trotzdem sauen alle für fünfundzwanzig rum. im treppenhaus liegen neben brotresten auch zertretene schmelzkäseecken, und alle paar meter stolpert man über auf treppenstufen liebevoll aufgestellte bierflaschen. seit kurzem hängt ein zettel im bad: "i really don't like pee on the ground". irgendjemand hat ganz dünn mit bleistift "das ist punk" daneben geschrieben.


 
09
April
the smell of death
die feuerwehr klingelt. vor dem haus blockiert ein leiterwagen die rechte fahrspur. tina hat noch ihren pyjama an, als wir die tür öffnen. nichts. kein rauch, kein flackern oder knistern. nur dieser muffige, nach tierkadaver und pisse riechende, leicht süßliche dunst hängt in der luft. so wie immer. aber genau deshalb waren sie gekommen. es würde jemand vermisst werden, ob wir die feuerwehr gerufen hätten..
so, wie man sich das immer vorstellt, wenn man darüber redet. da sei wohl jemand gestorben und verwese langsam in seinem zimmer. der, bei dem der briefkasten schon seit wochen überquillt. oder der andere. vielleicht sind es auch brüder. drogen sollen im spiel sein. ein kleines kind will man auch gesehen haben. und wieder haben die nachbar nichts gemerkt! wir machen witze und halten den atem an, wenn wir durch das erste stockwerk müssen. jetzt ist die feuerwehr da.
die wg unter uns erscheint und bestätigt die vermisstenmeldung. in ihrer wohnung, die direkt über dem ersten stock liegt, stinke es so schlimm, dass man nicht mehr schlafen könne. man befürchte das schlimmste und wolle sich jetzt gewissheit verschaffen. ein rundlicher und etwas verwahrlost aussehender zivilpolizist stellt fragen, die wir alle nur verneinen können. wir kennen diese leute einfach nicht. aber drogen auf alle fälle, da ist man sich jetzt ziemlich sicher. wir bleiben auf halber treppe stehen und beobachten, wie die feuerwehrleute, nach mehrmaligem klopfen ohne antwort, die tür ohne namensschild aufbrechen.
der boden der wohnung ist gefüllt mit hunderten aufgestellter öttinger-flaschen. keine babyleiche. und auch keine andere leiche. um sicher zu gehen, wird kurzerhand auch noch die andere tür mitsamt türrahmen aus der wand geholt. ein ekelerregender geruch schlägt einem in die nase. der rettungssanitäter betritt als erstes das zimmer und verschwindet um die ecke. andere männer folgen dem mädchen. die polizisten warten gelangweilt draußen, was hart antrainiert wirkt. es dauert eine weile bis es nachricht aus dem inneren gibt: nichts.


im zucker


 
23
Februar
my home is their castle
schon wieder umgezogen. ich packe die kisten erst gar nicht mehr aus. das habe ich schon früher nicht gemacht, aber jetzt gibt es eine begründung jenseits meiner faulheit. wer weiß, wie lange ich diesmal bleibe?
die neue wohnung ist gespickt mit überquellenden aschenbechern und leeren bierflaschen, und ich tue mein bestestes, diesen status aufrechtzuerhalten. ich rauche beim duschen und morgens, zum kaffee, trinke ich das erste haake, um nicht aus der rolle zu fallen. schließlich bin ich nicht umsonst zu einer punkerin, einer spanierin, die darauf beharrt ausschließlich katalanin zu sein, einem ami mit band, einem kunststudenten, nem mädel mit orgel im zimmer, einem halbindonesischem cocktailexperten und einem physiker mit hüftlangen dreads gezogen. hier muss man sich profilieren. das wird einem im studium ja auch immer gesagt. also.


 
01
Februar
reisetagebuch
wir treffen uns um halb acht am sielwalleck. drei autos, viele snowboards und zwölf leute. es ist eng auf der rückbank des toyotas. unsere beiden spanier sitzen vorne. sie erzählen uns, dass ihre landsleute verdammt schlechte autofahrer wären, und spanien in der europäischen verkehrstoten-statistik mit großem abstand auf platz eins stünde. ich mache einen schlechten witz über das gaspedal und versuche zu schlafen. die nacht war kurz.
der harz ist voll. die skiausleihe überlaufen, an material mangelt es. wir warten eine stunde und bekommen überraschend doch noch snowboards. die zeit wird knapp. am treffpunkt fehlt ein auto. es habe einen kleinen unfall gegeben, heißt es später. die spanier kommentieren das nicht. wir warten auf die polizei und können das dann doch ohne klären. am lift reihen wir uns in die ausufernde schlange und warten. die stimmung ist agressiv, es wird gedrängelt und gedrückt. dann sind wir oben! die spanier fahren schlechter snowboard als auto. das ist okay. am nächsten lift rauche ich vier zigaretten. russen pöbeln, können mich aber nicht aufhalten. auf der spitze des berges gibt es verdünnten glühwein zum wucherpreis. ich greife zu. die anderen scheinen auf dem weg steckengeblieben zu sein, denke ich und warte. minuten später stecke ich im tiefschnee fest. es beginnt zu schneien. ich kämpfe mit der bindung und gewinne glücklich. noch ein paar mal rauf und runter, dann ist es auch schon vorbei. wir treffen uns an den autos und schieben sie mit vereinten kräften aus dem schnee. auf dem weg zurück zur ausleihe verfahren wir uns trotz navi. vor zehn minuten sollte geschlossen werden, wieder haben wir glück. die rückfahrt verläuft unspektakulär. im auto riecht es streng nach schweiß. die spanier singen zur allgemeinen unterhaltung lieder in landessprache. wir anderen sind zusammengekuschelt auf der rückbank eingeschlafen..


josé


 
28
Januar
januar
und ja, es ist kalt. und es ist ungemütlich. es ist dunkel, dreckig, trostlos. und einsam. ich verlasse mein zimmer kaum. ich schließe mich ein. ich schlafe am tag und lausche nachts in die stille. dann schreibe ich stundenlang sätze, die zur hälfte aus abkürzungen bestehen, auf karteikarten. die hand beginnt zu schmerzen, ich verschreibe mich ständig und die schrift wird nahezu unlesbar. dann wieder stille. ich lebe die einsamkeit. ich verachte die einsamkeit. dann geh ich raus und trinke. viel. die kalte luft brennt in den lungen. die straßen sind leer. dann ist da dieser club. viele leute. ich bin betrunken. ich treffe bekannte und führe dümmliche gespräche. dann werfe ich die karteikarten wie konfetti durch den club. vielleicht brauch ich die noch, denke ich. zu hause bin ich froh, wieder allein zu sein. trotzdem fehlt jemand. ich schlafe schlecht. zwei schalen cornfalkes. später brot und tagesschau. ich könnte zu ihr fahren und bleibe hier. ich bin die einsamkeit, und ich möchte sie mit niemandem teilen.


 
16
Dezember
good bye, mülltonne
wir haben drei mülltonnen im hinterhof stehen. es sind diese kleinen mit zwei rädern und einer nahezu quadratischen grundfläche. sie waren schon voll, als ich hier eingezogen bin. jetzt, über zwei monate später, türmen sich müllsäcke, altpapier und glas meterhoch, und man muss schon sehr genau hinsehen, wenn man die tonnen noch erkennen will. kurz, es scheint ein dezentes entsorgungsproblem zu geben. oder, wir verwenden die falsche taktik. das nebenhaus schichtet seinen müll einfach auf dem bürgersteig auf - und siehe da, nach ein paar tagen ist er weg.


 
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